Bis zu 275 Millionen Euro GKV-Pandemiezuschlag

Die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband haben sich auf einen kassenseitigen Corona-Zuschuss für die Vertragszahnarztpraxen in 2021 geeinigt. Das Ziel ist die Finanzierung der pandemiebedingten Mehraufwendungen in den Praxen. Zuständig für die Auszahlung sind die KZVen.

Bei den Zusatzkosten, die Zahnarztpraxen in Deutschland im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie im Zuge der vertragszahnärztlichen Behandlung im Laufe des Jahres noch entstehen, bestand bis vor Kurzem noch ein Flickenteppich. Manche Kassenzahnärztliche Vereinigung (KZV) hatte sich bereits auf Landesebene mit den Kassen auf eine Zahlung geeinigt, andere noch nicht.
Um die Situation für alle Vertragszahnarztpraxen in Deutschland zu vereinheitlichen, hat sich die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) nun mit dem GKV-Spitzenverband (GKV-SV) auf eine bundesmantelvertragliche Vereinbarung im Sinne eines „Pandemiezuschlages“ geeinigt. Auf Basis dieser Vereinbarung, die zum 1. April 2021 in Kraft getreten ist, werden die Krankenkassen bis Jahresende einen Betrag von maximal 275 Millionen Euro als einmalige pauschale Abgeltung für besondere Aufwände der Vertragszahnärzte im Rahmen der Behandlung von GKV-Versicherten während der Corona-Pandemie unabhängig von der jeweiligen Gesamtvergütung an die KZVen zahlen.
 
Zuschlag nicht nur für Schutzausrüstung gedacht 
Der Zuschlag soll laut Vereinbarung Mehraufwände abgelten, „die im Rahmen der Patientenkommunikation, der Patientenbehandlung sowie bei der Dokumentations- und Verwaltungstätigkeit und im Bereich der Sachkosten, z. B. für die zusätzliche Anschaffung von OP-Masken/FFP2 Masken, Einmalhandschuhen, Desinfektionstüchern oder Händedesinfektionsmitteln anfallen.“
 
KZVen verrechnen Zuschlag mit bereits geleisteten Corona-Zahlungen 
Für die einzelne betroffene Vertragszahnarztpraxis heißt das konkret, dass ihre zuständige KZV diese Vereinbarung nun herunterbrechen muss auf die individuelle kassenzahnärztliche Honorarzahlung. In der Praxis ist laut KZBV folgendes Vorgehen vorgesehen: Soweit für einen in der Vereinbarung definierten Zeitraum bereits Regelungen in Vergütungsvereinbarungen oder sonstigen Vereinbarungen zur Abgeltung dieser Aufwände auf Landesebene getroffen oder diese der jeweiligen KZV auf sonstige Weise abgegolten wurden, sind die entsprechenden Beträge mit dem Abgeltungsbetrag zu verrechnen. Die KZVen werden die von den einzelnen Krankenkassen gezahlten Beträge nach einem von ihr vorgegebenen bundeseinheitlichen Verteilungsschlüssel an die Zahnärzteschaft verteilen, verdeutlicht die KZBV.
Die Vereinbarung zielt bewusst auf eine Nivellierung der Zahlungen – der Gerechtigkeit wegen. „Die besonderen Aufwände treffen bei typisierender und generalisierender Betrachtung nahezu alle Zahnarztpraxen in ähnlicher Weise. Daher wird das Erfordernis einer pauschalierenden Betrachtungsweise gesehen. Aus diesem Grund trifft die vorliegende Vereinbarung als Bestandteil des Bundesmantelvertrages-Zahnärzte Vorgaben, die eine bundeseinheitliche Abgeltung dieser besonderen Aufwände unter gleichzeitiger Anrechnung von bereits von den Krankenkassen getragenen oder zu tragenden Aufwänden ermöglichen“, heißt es dazu in der Vereinbarung.
 
Verteilungsschlüssel nach Praxisgröße 
Die Verteilung wird auf der Basis eines Verteilungsschlüssels nach Praxisgrößen erfolgen, der sich an der Zahl der behandelnden Vertragszahnärzte orientiert. Zu den genauen Einzelheiten, insbesondere zur exakten Höhe des Zahlbetrages wie auch zum Auszahlungszeitpunkt, sollen die KZVen die betroffenen Zahnarztpraxen gesondert informieren.
 
Eßer: Versorgung krisensicherer geworden 
Der KZBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Wolfgang Eßer verweist im Zusammenhang mit der aktuellen Vereinbarung darauf, dass bereits im Zuge des Gesetzes zur Verbesserung der Gesundheitsversorgung und Pflege (GPVG) gesetzliche Regelungen verankert werden konnten, „die zum einen sicherstellen, dass der pandemiebedingte Morbiditätsrückgang nicht zu einer Verzerrung der zahnärztlichen Honorare führen wird, und zum anderen für die Jahre 2021 und 2022 vollständige Budgetfreiheit garantieren.“
Mit der vorliegenden Vereinbarung sei es der KZBV gelungen, „für die Vertragszahnärztinnen und Vertragszahnärzte zusätzlich einen unmittelbaren finanziellen Ausgleich für die besonderen Aufwände während der Pandemie zu erreichen. Damit haben die gesetzlichen Krankenkassen ihre Mitverantwortung für die Bewältigung der Lasten der Pandemie auch im Bereich der vertragszahnärztlichen Versorgung anerkannt. Wir begrüßen dies ausdrücklich, zumal diese Vereinbarung gänzlich auf der Ebene der Selbstverwaltung getroffen wurde.“
Mit der mit dem GKV-SV getroffenen Vereinbarung und den neuen gesetzlichen Regelungen des GPVG seien Rahmenbedingungen geschaffen worden, „mit denen die herausragenden Leistungen der Zahnärzteschaft während der Pandemie anerkannt und die vertragszahnärztliche Versorgung ein Stück weit krisensicherer gemacht worden ist“, resümiert Eßer.
 
PKV-Hygienepauschale bis 30. Juni 2021 verlängert 
Für die Behandlung privat versicherter Patienten erhalten die Zahnarztpraxen weiterhin die Corona-Hygienepauschale, der Verband der Privaten Krankenver¬sicherung hat den mit der Bundeszahnärztekammer bereits im Frühjahr vereinbarten Vergütungszuschlag bis zum 30. Juni 2021 verlängert. „Zahnärzte können in analoger Anwendung der GOZ Nr. 3010 zum einfachen Satz eine Corona-Hygienepauschale von 6,19 Euro abrechnen. Dem entsprechend kann ein erhöhter Hygieneaufwand dann jedoch nicht gleichzeitig ein Kriterium bei der Faktorsteigerung nach § 5 Abs. 2 GOZ darstellen“, so der PKV-Verband.