Praxismanagement
Wer eine Arztpraxis hat, beschäftigt im Regelfall auch Mitarbeiter. Doch nicht jeder gute Arzt ist automatisch auch eine geborene Führungskraft. Sich ein paar Dinge bewusst…
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Der Fachkräftemangel im Gesundheitswesen betrifft auch medizinische und zahnmedizinische Fachangestellte zunehmend. Trotz der Beliebtheit der Ausbildung gelten MFA und ZFA seit Jahren als Engpassberufe. Lesen Sie hier den vollständigen Beitrag und erfahren Sie, welche Stellschrauben wirklich helfen können.
Medizinische wie Zahnmedizinische Fachangestellte (MFA/ZFA) zählen seit Jahren zu den beliebtesten dualen Ausbildungsberufen in Deutschland. Unter anderem werden die Vielseitigkeit des MFA-Berufs und der Kontakt mit Menschen als Gründe genannt, den Beruf zu ergreifen. Gleichzeitig hinterlässt der demografische Wandel seine Spuren in den Haus- und Fach- sowie Zahnarztpraxen, aber auch in den sonstigen Gesundheits- und Pflegeberufen. ZFA wie MFA zählen trotz aller Beliebtheit bei den Azubis schon lange zu den Engpassberufen.
Daran wird sich wohl auch zumindest kurzfristig nichts ändern, wie die jüngst veröffentlichte Bertelsmann-Studie „Fachkräfte gewinnen und halten – wie Engpassberufe attraktiver werden“ nahelegt. Demnach arbeiten 85 Prozent der im Gesundheits- und Pflegebereich Beschäftigten in Engpassberufen. Rund 80 Prozent der in Engpassberufen Beschäftigten haben eine Berufsausbildung und nur 18 Prozent einen Universitäts- oder Hochschulabschluss, heißt es in der Studie weiter.
„Um den Fachkräftemangel auch ‚aus dem Bestand‘ bekämpfen zu können, gilt es, Beschäftigte in Engpassberufen zu halten oder bei einem Berufswechsel neu zu gewinnen. Für eine entsprechende Wechselbereitschaft braucht es jedoch stärkere Anreize und mehr als nur kurzfristige Maßnahmen“, konstatieren die Studienautoren.
Eine im Vergleich zur Anstellung in den Reihen einer Klinik oder Krankenkasse eher unattraktive Vergütung sieht der Verband medizinischer Fachberufe (vmf) seit Jahren als eine wesentliche Ursache für die MFA-Flucht aus den Praxen. Rückenwind – zumindest politisch – bekommt das Sprachrohr der MFA und ZFA nun von der Bertelsmann Stiftung.
„Neben dem allgemeinen Lohnniveau sind auch individuelle Lohnunterschiede entscheidend für den Wechsel in einen oder aus einem Engpassberuf. Unternehmen müssen verstehen, dass der Lohn ein zentraler Wettbewerbsfaktor im Kampf um knappe Fachkräfte ist. … Auch in tarifgebundenen Bereichen können zusätzliche Lohnaufschläge helfen, die Attraktivität offener Stellen im Wettbewerb zu erhöhen“, konstatieren die Verfasser der Studie.
Außer den Löhnen sei auch die Arbeitszufriedenheit ein zentraler Hebel, um Fachkräfte zu gewinnen. Das betreffe vor allem die Bedingungen am Arbeitsplatz. Schon jetzt treibe die spürbare Arbeitsverdichtung in Engpassbereichen Beschäftigte aus ihren Berufen. Diese Dynamik drohe, lautet die Prognose, sich mit zunehmendem Mangel zu verstärken.
Dabei berge das Thema „gute Arbeitsbedingungen“ große Potenziale: So könnten mindestens 300.000 Vollzeitäquivalente für die Pflege zurückgewonnen werden, wenn sich die Arbeitsbedingungen dort deutlich verbesserten und angemessene Löhne gezahlt würden, schätzen die Verfasser.
Zudem rufen sie die Arbeitgeber dazu auf, Weiterqualifizierungen und Entwicklungsperspektiven ihrer Beschäftigten gerade in den Engpassberufen systematisch zu fördern, um sie dann auch besser einsetzen zu können, wenn es ums Delegieren von Aufgaben geht.
Möglich ist das zum Beispiel über Weiterqualifikationen zur Digitalmanagerin, zur VERAH oder zur NäPA oder auch, wenn es um die Akademisierung geht, zum Physician Assistant oder anderen Gesundheitsberufen mehr. Letzteres ist zum einen bereits im aktuellen MFA-Tarifvertragabgebildet. Zum anderen setzen zum Beispiel die niedergelassenen Gastroenterologen bewusst auf das Instrumentder Weiterqualifizierung, die mit Lohnsteigerungen einhergeht.
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