Praxis-Investition geplant? Das gehört in Ihren Businessplan!

Wer einen Kredit für eine Praxisübernahme, -gründung oder Erweiterungsinvestition beantragt, braucht einen Businessplan. Wie Ärztinnen und Ärzte dabei vorgehen können – und worauf Banken achten.

Gynäkologe Dr. George-Gabriel Jianu hat am 1. Juli die ersten rund 30 Patientinnen in seiner neuen Praxis GynEvo in Herne behandelt. Einer Praxis mit einem Operationssaal und sechs Betten, übernommen vom Vorgänger, der sich zur Ruhe gesetzt hat. An zwei Tagen pro Woche operiert Dr. Jianu dort ambulant neben seinem gynäkologischen Tagesgeschäft, führt unter anderem Konisationen durch, Laparoskopien, Hysteroskopien.

Zuvor hat er etwa 20 Jahre lang im Krankenhaus operiert, zuletzt als Oberarzt. In seiner neuen Praxis sieht er Potenzial, will sie eines Tages zur Tagesklinik ausbauen, denn „die großen Kliniken haben nicht genug Platz, um alle ambulanten Operationen zu übernehmen.“

Planzahlen für drei Jahre

Der Praxiskauf hat 180.000 Euro gekostet, ihre Modernisierung weitere 100.000 Euro. Dr. Jianu hat dies über einen Kredit der Deutschen Apotheker- und Ärztebank (apoBank) finanziert. Basis war ein Businessplan, den er verfasst und mit der Bank überarbeitet hat. Herausfordernd war dabei, „mir vorzustellen, wie viel Zeit ich als niedergelassener Arzt mit anderen Dingen verbringen werde als mit der Medizin“, sagt der Gynäkologe.

Der Anästhesist Dr. Peter Antonfeld wiederum hat Anfang 2024 mit seiner Frau, Dr. Mira Antonfeld, eine Privatklinik mit integrierter Praxis für Anästhesie eröffnet. Die MainOP Klinik in Flörsheim am Main verfügt über drei Operationssäle, bis zu acht Betten und eine Aufbereitungseinheit für Medizinprodukte. Die Klinik kooperiert mit Ärztinnen und Ärzten auf Basis von Nutzungsvereinbarungen und bucht dafür die Leistungen von Dr. Antonfelds Praxis für Anästhesie.

Das Paar hat für seine Kombination aus Klinik und Praxis einen Businessplan bei mehreren Banken eingereicht. Mit Standort- und Konkurrenzanalyse sowie Planzahlen für drei Jahre. „Wie viele Patienten erwarten wir? Wie hoch ist der Erlös pro Patientenfall im guten, mittleren und schlechten Szenario?“ erläutert der Anästhesist. Die Frankfurter Sparkasse hat die Gründung finanziert und die Bürgschaftsbank Hessen sichert den Kredit ab.

Verschiedene Varianten

Die genannten Businesspläne sind nur zwei von vielen, die Ärztinnen und Ärzte ihren Banken präsentieren. Nadine Knapp, Abteilungsdirektorin des Centers Gewerbekunden und Heilberufe bei der Frankfurter Sparkasse, unterscheidet zwischen ausführlichen Businessplänen für Praxisübernahmen und -gründungen sowie Kurzdarstellungen für Erweiterungsinvestitionen, ob in neue Geräte, moderne Praxis-IT oder einen zusätzlichen Kassensitz. „Das Kurzkonzept soll erklären, was ich machen will und warum das zu einem bestimmten Mehrertrag für die Praxis führen wird“, sagt Knapp.

Sie legt Wert darauf, dass Ärztinnen und Ärzte rechtzeitig mit ihrem Team sprechen. Knapp: „Ärzte mit Gründungsgedanken können gerne schon mit ersten Ideen Kontakt zu uns aufnehmen, bevor der Businessplan erstellt ist.“ Denn je früher man die richtigen Weichen stelle, desto einfacher sei es. Gerade bei höheren Kreditsummen sei es sinnvoll, auch mit Fachleuten jenseits der Sparkasse zu sprechen, etwa mit Steuerberatern oder Unternehmensberatern für Heilberufe.

Persönliches Gespräch zählt

Auch die apoBank hebt die Bedeutung des persönlichen Gesprächs hervor. „Prinzipiell setzen wir uns erstmal mit den Menschen zusammen und hören raus, welche Vorstellungen sie haben. Das ist das Allerwichtigste“, betont Maurice Balsmeier, der die Filiale in Dortmund leitet. Mal erscheinen Kunden mit fertigem Businessplan zum Gespräch, mal vermittelt die Bank ihnen einen Experten aus ihrem Netzwerk, der beim Erstellen hilft, oder sie unterstützt selbst dabei.

Als Basis für das Gespräch benötigt Balsmeier die persönlichen Legitimationsdokumente, sprich Lebenslauf, Approbation, etwaige Zusatzqualifikationen. Und den Vermögensstatus, denn „wir müssen uns generell bei Kreditangelegenheiten aus regulatorischen Gründen einen Überblick über die finanziellen Verhältnisse beschaffen.“ Der auf Ärzte und Zahnärzte spezialisierte Unternehmensberater Jonas Kock von Kock Consulting aus Berlin regt an, mit mehreren Banken über den Plan zu sprechen: „Die Kreditkonditionen sind in der Regel ähnlich. Ich würde gucken, wo ich mich am wohlsten fühle und welches Konzept am besten zu mir passt.“

Mensch, Idee, Zahlen

Was gehört in den Businessplan für eine Gründung oder Übernahme? Im ersten, eher qualitativen Teil sollten die Unternehmer-Qualifikation und -Persönlichkeit sowie die Geschäftsidee dargestellt werden. „Möchte ich eine Praxis gründen oder übernehmen? Welche Zielgruppe möchte ich ansprechen? Ganz wichtig ist die Standortanalyse“, erläutert Knapp von der Frankfurter Sparkasse. Zudem sollte auf das Leistungsangebot, die Kostenstruktur und das Personal eingegangen werden. Wie kann ich bisherige Mitarbeitende halten oder neue gewinnen? Weitere Punkte sind die künftige Positionierung der Praxis im Markt und ihre geplante Form. Soll es zum Beispiel eine Einzelpraxis, eine Gemeinschaftspraxis oder eine Praxisgemeinschaft werden?

Im zweiten Teil sollte das Zahlenmaterial folgen. Knapp empfiehlt eine Drei-Jahres-Planung mit entsprechendem Rentabilitäts- und Liquiditätsplan sowie einem Investitions- und Finanzierungsplan: „Bei der Betrachtung der Rentabilität sollten die Gründer ihre privaten Kosten auskömmlich gedeckt sehen.“ Sie rät, diese Planung später als Controlling-Werkzeug zu nutzen, um die Wirtschaftlichkeit der Praxis zu überwachen. Ist der Businessplan geschrieben, kann man eine erste Seite verfassen – eine einseitige Kurzdarstellung mit allen Erfolgsfaktoren und Risiken.

Das Projekt kennen

Balsmeier von der apoBank sagt, er „brauche keinen 28-seitigen Businessplan, sondern es geht ihm darum, dass die Ärztin oder der Arzt sich mit diesem Thema auseinandergesetzt hat und eine Vorstellung davon hat, wie sie oder er die Praxis langfristig aufstellt.“ Am wichtigsten seien die persönliche Qualifikation, das Zahlenmaterial, die Lage der Praxis und die Vision. Es gehe darum, diese authentisch zu beschreiben. „Nichts vom Himmel versprechen, aber auch nicht zu bescheiden sein. Wir schaffen es immer, das Vorhaben im persönlichen Gespräch realistisch zu bewerten“, sagt er. Knapp von der Frankfurter Sparkasse hält es ebenfalls für wichtig, sich vor dem Gespräch mit den Zahlen auseinandergesetzt zu haben. Was nicht immer selbstverständlich ist: „Wir erleben, dass Ärzte ihren Job häufig richtig gut machen, aber das Zahlenmaterial manchmal als lästig betrachten.“

Pluspunkte sammeln

Mit welchen Bestandteilen ihrer Businesspläne können Ärzte Pluspunkte bei Bankern sammeln? Für Kock von Kock Consulting ist das eine „gut durchdachte Struktur, wie man an Patienten kommt. Zuweisende Praxen, Netzwerk, Alleinstellungsmerkmale.“ Balsmeier von der apoBank findet es „richtig beeindruckend, wenn sehr in die Tiefe gegangen wird, wenn die Umsätze beispielsweise mit Fall- beziehungsweise Scheinzahlen unterlegt sind. Wie viele private und wie viele gesetzliche Patienten behandle ich?“ Dr. Jianu und die Dres. Antonfeld sind einen Schritt weiter – sie haben ihre Vorhaben verwirklicht.

So analysieren Sie den Standort

Die Standortanalyse im Businessplan ist laut Nadine Knapp von der Frankfurter Sparkasse „eine der wichtigsten Analysen, wenn ein Arzt sich selbstständig machen möchte.“ Wer zum Beispiel eine Augenarzt-Praxis in Frankfurt eröffnen oder übernehmen wolle und ein Viertel mit relativ hohem durchschnittlichem Einkommen wähle, „hat in der Regel eine kaufkräftige Kundschaft, die neben klassischen Kassenleistungen auch mehr privatärztliche Abrechnungen erlaubt.“ Zudem wichtig ist die Erreichbarkeit der Praxis. Wie ist sie an öffentliche Verkehrsmittel angebunden, gibt es genügend Stellplätze?

Quelle: www.aerztezeitung.de

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