Privatversicherte bescheren mehr als 60.000 Euro Mehrumsatz je Zahnarztpraxis

Das Honorar aus der Behandlung privatversicherter Patienten stellte auch 2019 für Zahnarztpraxen eine tragende Säule dar. Nach Berechnungen des Wissenschaftlichen Instituts der PKV flossen für die Versorgung Vollversicherter im Vergleich zum GKV-Erstattungsniveau rund 3 Milliarden Euro mehr in die Praxen.

Die privaten Krankenversicherer (PKV) haben im Jahr 2019 in der zahnmedizinischen Versorgung, die sowohl die Zahnbehandlung als auch den Zahnersatz und die Kieferorthopädie umfassen, insgesamt 4,81 Milliarden Euro ausgegeben – 1,8 Prozent mehr als 2018. Das geht aus dem jüngst veröffentlichten „Jahresbericht 2021 – Mehrumsatz und Leistungsausgaben von PKV-Versicherten“ des Wissenschaftlichen Instituts der PKV (WIP) hervor. In der GKV sind die Ausgaben in diesem Versorgungssektor dem Bericht zufolge um 3,6 Prozent auf 15,01 Milliarden Euro angestiegen.

Knapp ein Viertel aller Sektorkosten trug die PKV
Innerhalb der PKV lag der Anteil der Kosten für die zahnmedizinische Versorgung an den Gesamtaufwendungen der Branche 2019 bei 12,8 Prozent – in der GKV betrug er 7,6 Prozent. Gemessen an allen Leistungsausgaben in der zahnärztlichen Versorgung (GKV- und PKV-Patienten), lag der PKV-Anteil, wie das WIP die Rolle der Privatversicherten unterstreicht, im Jahr 2019 bei 24,3 Prozent – bei einem Versichertenanteil von nur 10,5 Prozent. Würden die Leistungen der Privatversicherten nach den Regularien der GKV erstattet, lägen ihre Ausgaben bei 1,83 Milliarden Euro.

Deutlicher Vorsprung vor niedergelassenen Haus- und Fachärzten
Das taten sie aber, wie eingangs erwähnt, nicht. Wie das WIP verdeutlicht, lag der durch die Privatversicherten – es zählen nur die Voll-, nicht aber die Zusatzpolicen – generierte Mehrumsatz in der Zahnmedizin im Jahr 2019 insgesamt bei 2,98 Milliarden Euro. Das entspreche einem Plus von einem Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Rein rechnerisch bedeutet das laut Bericht, dass jede einzelne Zahnarztpraxis 2019 im Schnitt 61.036 Euro (2018: 59.029 Euro) PKV-Mehrumsatz erzielte.

Der PKV-Mehrumsatz bei niedergelassenen Haus- und Fachärzten belief sich 2019 unterdessen im Schnitt auf 55.302 Euro – 5,9 Prozent mehr als im Vorjahr.

Mehrumsatz in der Zahnmedizin verhältnismäßig hoch
„Der Mehrumsatz in der zahnmedizinischen Versorgung ist mit einem Anteil von 62,0 Prozent der Leistungsausgaben der Privatversicherten in diesem Sektor verhältnismäßig hoch. Insbesondere zwischen dem 13. und 16. Lebensjahr und zwischen dem 62. und 84. Lebensjahr (bei Frauen) sowie bei den Männern zwischen dem 14. und 16. Lebensjahr und 64. und 86. Lebensjahr ist ein hoher Mehrumsatz (über 500 Euro je Versicherten) erkennbar“, schreiben dazu die Studienautoren Sonja Hagemeister und Frank Wild.

Der Mehrumsatz sei zudem im Alter von 8 bis 14 Jahren sowie zwischen dem 21. und 73. Lebensjahr bei den weiblichen höher als bei den männlichen Versicherten, bei allen weiteren Altersklassen liege der Mehrumsatz der Männer über dem der Frauen, ergänzt das WIP.

Honorarplus würde auch unter GKV-Regularien in der PKV anfallen
Die WIP-Analyse berücksichtigt auch die unterschiedlichen Regularien in GKV und PKV – in einem gesonderten Szenario. Da Eigenbeteiligungen in der zahnärztlichen Versorgung von Kassenpatienten eine deutlich größere Rolle als in anderen Leistungsbereichen spielten, erfolge diese bei Zahnersatz auf der Basis von befundbezogenen Festzuschüssen. Die Festzuschüsse umfassen 50 Prozent der Beträge für die jeweilige Regelversorgung (§ 55 Abs. 1 SGB V). Bei regelmäßigen Zahnarztbesuchen erhöhen sich die Festzuschüsse um 20 bzw. 30 % und betragen dann 70 bzw. 80 % der Regelversorgung.

Privatpatienten erhalten dagegen eine Erstattung im Rahmen ihres individuellen Versicherungstarifes, wobei diese in Abhängigkeit von Selbstbeteiligungen in der Regel zwischen 70 und 90 % des Rechnungsbetrages liegt. Würden auch die PKV-Versicherten eine Erstattung nach dem GKV-Erstattungssystem erhalten, müssten sie vermutlich ebenfalls einen größeren Teil als Eigenbeteiligung tragen, so das WIP. „Berücksichtigt man die hohe Eigenbeteiligung der GKV-Versicherten, würde der aktuelle Mehrumsatz im zahnmedizinischen Bereich jedoch immer noch 2,281 Milliarden Euro betragen“, heißt es im aktuellen Jahresbericht.

10,5 Prozent aller Patienten in Deutschland in privaten Vollpolicen
Datenbasis für die Berechnung der PKV-Leistungsausgaben bilden laut WIP die Kopfschadenstatistiken des PKV-Verbandes für die Krankenvollversicherten. Die GKV-Ausgaben werden auf der Grundlage der Daten des Bundesamtes für Soziale Sicherung (BAS) berechnet. Das BAS veröffentlicht Daten zu den Leistungsausgaben pro Tag der GKV-Versicherten, die im Rahmen des Risikostrukturausgleichs (RSA) ermittelt werden. Der RSA ist in fünf Hauptleistungsbereiche (HLB) unterteilt – HLB 2 beziffert die Leistungsausgaben für Zahnärzte.

Im Jahr 2019 lebten laut WIP 83,17 Millionen Menschen in Deutschland, von denen 8,73 Millionen privat krankenvollversichert waren, was einem Anteil von 10,5 Prozent der Bevölkerung entspricht. Wie auch in den Vorjahren seien die PKV-Kunden im Jahr 2019 im Schnitt weiter gealtert, während in der GKV das Durchschnittsalter mit 43,91 Jahren im Vergleich zum Vorjahr nahezu identisch geblieben sei (+0,07 Jahre). Das Durchschnittsalter der PKV-Kunden lag demnach bei 45,59 Jahren (+0,33 Jahre).