Gedächtnistraining für die Praxis: So aktivieren Sie Ihre grauen Zellen

Wie heißt noch mal der Patient, welche Muskelgruppen gibt es? Im Praxisalltag müssen sich Ärztinnen und Ärzte ganz schön viel merken. Mediziner und Weltrekordler Fabian Saal gibt Tipps, wie sich das Gedächtnis verbessern lässt.

Wie viele Farbkombinationen können Sie in kürzester Zeit im Gedächtnis speichern und dann auch noch fehlerfrei aufsagen? Fabian Saal, Arzt und Molekularbiologe aus Würzburg, schafft 180. 2019 wurde er damit Gedächtnisweltrekordhalter, seine Marke hat bis heute Bestand. Aufgabe war es damals, sich die längste memorierte Farbsequenz bestehend aus einer zufälligen Anordnung der vier Farben Rot, Gelb, Grün und Blau, einzuprägen. Bereits 2015 hatte der heute 37-Jährige seinen ersten Weltrekord erzielt, indem er sich 100 Nachkommastellen der Zahl Pi merkte.

Mittlerweile hat Saal das Merken von Farben, Zahlen oder Gegenständen zum Beruf gemacht. Er ist Gründer der Lernplattform „HappyHippocampus“, die mit Gedächtnistrainings Medizinstudierende aber auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzten – beispielsweise in der Facharztausbildung – beim Lernen unterstützen möchte, ohne dass sie wochen- oder gar monatelang pauken müssen. Dabei setzt er auf die Methode der Gedächtnispaläste, „die ist effizient und spart Zeit“. Es handelt sich um ein Prinzip, dass überall dort zum Einsatz kommen kann, wo viel auswendig gelernt werden muss, wie bei den Muskelgruppen und Stoffwechselkreisläufen.

Palastmethode fußt auf vier Schritten

Die Methode fußt auf vier Schritten: „Zunächst ruft man sich Räumlichkeiten ins Gedächtnis, die man gut kennt, am besten das eigene Zuhause oder die Arztpraxis“, erläutert Saal. Anschließend werden die einzelnen Lerninhalte in Bilder umgewandelt, da man sich Bilder erfahrungsgemäß besser einprägen kann. Fabian Saal nennt an dieser Stelle den Citratzyklus, bei dem sich natürlich das Bild einer Zitrone anbietet (siehe Übersichtsgrafik Gedächtnispalast als PDF).

Die Zitrone wird im Kopf an den markanten Gegenständen im Raum platziert – auf dem Wohnzimmertisch, im Küchenschrank oder dem Empfangstresen in der Praxis. Dies passiert nicht nur mit der Zitrone, sondern auch mit allen weiteren Substraten. Am Ende geht es darum, die jeweiligen Gegenstände mit den einzelnen Prozessschritten des Zyklus zu verknüpfen. Die Lernenden wandern den Raum sozusagen gedanklich ab.

Kreative kleine Geschichten

Auch wenn dieses Vorgehen für viele Menschen zunächst einmal ungewöhnlich und auch etwas kurios klinge, empfiehlt der Gedächtnistrainer, sich darauf einzulassen. „Es macht Spaß, sich kreative kleine Geschichten auszudenken.“ Sein Tipp: Eselsbrücken, Akronyme (Abkürzungen, die aus den Anfangsbuchstaben mehrerer Wörter bestehen) und Emotionen verwenden. Dazu gehören nicht nur Visualisierungen, sondern auch die fünf Sinne.

„Jeder kann sich vorstellen, wie sauer eine Zitrone schmeckt“, erinnert Saal beispielhaft. Generell gelte, dass, je brutaler, origineller und verrückter eine Geschichte sei, desto besser sie im Gedächtnis haften bleibe. Gesprächspartner, die an dieser Stelle ungläubig den Kopf schütteln, kann er beruhigen: „Man kennt danach die Fakten wirklich und muss wenig Zeit für Wiederholung aufwenden.“ Am Anfang müsse man durchaus Zeit und Energie in Bilder und Geschichten investieren, doch dann gehe das Lernen sehr schnell.

Fachbegriffe lassen sich besser merken

Ein Modell, das nicht nur für ein umfangreiches wissenschaftliches Lernpensum geeignet, sondern auch durchaus alltagstauglich ist. Man kann also beispielsweise auch einen Gedächtnispalast aufbauen, um sich die PIN für den Geldautomaten zu merken. „Nehmen wir einmal an, mein Code beginnt mit den Ziffern 1 und 5. Wie gewohnt ordne ich jeder Zahl einen Gegenstand zu. Die 1 sieht aus wie ein senkrecht stehendes Gewehr und die 5 erinnert an die fünf Finger einer Hand. Es entwickelt sich eine Szene, in der jemand mit einem Gewehr in der Hand eine Bank überfällt oder den Geldautomaten sprengt. Und schon hat man mit den Zahlen seine PIN-Nummer verknüpft. Diese Szene kommt dann immer in den Kopf, sobald man am Automaten Geld ziehen möchte.“

Aber was ist mit medizinischen Fachbegriffen wie der Pankreatitis? Wie merke ich mir, was sich dahinter verbirgt? Auch hier setzt der Würzburger auf Visualisierung. So bedeute die Endung -itis immer, dass es sich um eine Entzündung handelt. „Itis klingt wie Iltis und Pankreas kann die Abkürzung sein für eine Bank auf Kreta. So hat man das Bild von einem Iltis im Kopf, der auf Kreta auf einer Bank sitzt und sich vor Bauchschmerzen krümmt. Auf diese Weise vergisst man nicht mehr, dass Pankreatitis Bauchspeichelentzündung bedeutet.“

Auch für alltägliche Probleme geeignet

Sogar so alltägliche Dinge wie die Namen der vielen hundert Praxisbesucher lassen sich durch Eselsbrücken gut einprägen, verspricht Fabian Saal. Heißt der Patient beispielsweise Herr Brunnquell, wecke dies Assoziationen an einen Brunnen mit Quellwasser. Hat der Mann dann auch noch blonde Haare, könne man sich ausmalen, wie diese vom Wasser nass werden. Dieses Bild ist dann dauerhaft mit dem Namen des Patienten verknüpft.

Die Methode passt auch zu Namen, die zunächst einmal abstrakt klingen – wie Fabian zum Beispiel. „Fabian klingt wie Farbe, auch dazu lässt sich gedanklich ein Bild entwickeln.“ Es gehe immer darum, Ähnlichkeiten zu erzeugen, erläutert der Gedächtnistrainer. Wollen die Ärztinnen und Ärzten obendrein auch noch die einzelnen Tumorstadien ihren Patienten zuordnen, könnten sie die Ziffern ebenfalls wieder visualisieren. Man denke an die 1, die wie ein senkrecht stehendes Gewehr aussieht…

TV-Beitrag brachte die Wende

Dass der 37-Jährige heute so ein phänomenales Gedächtnis hat, war zu Schulzeiten noch nicht abzusehen. „Ich habe mich teilweise in der Schule sehr schwer getan, besonders in Sprachen, wo es ja viel um Auswendiglernen ging“, gibt er im Gespräch mit der Ärzte Zeitung zu. Die Wende brachte ein Beitrag über Gedächtnistrainings, den er als Jugendlicher im Fernsehen sah. Saal war sofort fasziniert.

Er sei damals sehr erstaunt gewesen, wie schnell sich sein Gedächtnis verbessert habe, erinnert er sich. Schließlich hatte er die Techniken so weit perfektioniert, dass er sich bei Wettbewerben anmeldete. „Das Kompetitive gefällt mir.“ Nach dem Studium habe er beschlossen, sein Wissen weiterzugeben und gründete seine Plattform. Noch heute ist er überzeugt: „Ohne diese Techniken hätte ich das Medizinstudium niemals geschafft.“

Quelle: www.aerztezeitung.de

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