Praxismanagement
Wer eine Arztpraxis hat, beschäftigt im Regelfall auch Mitarbeiter. Doch nicht jeder gute Arzt ist automatisch auch eine geborene Führungskraft. Sich ein paar Dinge bewusst…
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Künstliche Intelligenz bietet immer mehr Möglichkeiten, den Arbeitsalltag in Arzt- und Zahnarztpraxen effizienter zu gestalten. Ob bei der Erstellung von Texten, der Organisation interner Abläufe oder der Vorbereitung von Schulungen – digitale Helfer können Praxisteams spürbar entlasten. Dabei kommt es vor allem auf den richtigen Einsatz der Technologien und klare Anweisungen an. Welche KI-Tools besonders hilfreich sind und wie sie sich sinnvoll in den Praxisalltag integrieren lassen, erfahren Sie in unserem Artikel.
„Künstliche Intelligenz ersetzt nicht den Menschen, sondern gibt uns die wertvollste Ressource im Praxisalltag zurück: Zeit für unsere Patienten – und für uns“, sagt die Praxismanagerin und Wirtschaftspsychologin Sabine Höppner-Plischke, Gründerin des Instituts für Praxisinnovation und künstliche Intelligenz in der Zahnheilkunde.
Beim MFA- und ZFA-Tag des Münchner PKV-Instituts öffnete sie ihre digitale Werkzeugkiste, um die drei aus ihrer Sicht wichtigsten KI-Praxishelfer vorzustellen: einen KI-Textassistenten, einen KI-Agenten zur Planung größere Aufgaben und ein Präsentationstool, um Wissen innerhalb des Teams intelligent weiterzugeben. „Geben wir der KI einen anderen Namen: Sie bauen Ihr eigenes kleines Sekretariat“, so die Expertin.
Ein Text-Assistent – zum Beispiel ChatGPT – sei der Sparringspartner für Sprache, Struktur und erste Entwürfe, um zu formulieren und Wissen zu strukturieren. „Allerdings können Systeme wie ChatGPT keine Gedanken lesen. Gute Ergebnisse beginnen immer mit guten Prompts“, betont Höppner-Plischke. Der enthalte eine Aufgabe und das Rohmaterial, so werde aus losen Gedanken Struktur, ein konkreter Leitfaden und professionelle Sprache.
Verfasst künftig die digitale Kollegin Standard-E-Mails, ist schon Zeit gewonnen. Mit KI-Tools lassen sich Social-Media-Beiträge erstellen oder Texte für die Praxis-Website. Und auch KI-gestützte Übersetzungstools können helfen, Sprachbarrieren im Praxisalltag unkompliziert zu überwinden. Zudem nutzt die Praxismanagerin „Custom GPTs“, sprich maßgeschneiderte Versionen von ChatGPT für ganz bestimmte Aufgaben oder Themenbereiche.
Was tun, wenn ein Text zu abgehoben klingt für Patienten, Eltern, social media, neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter oder Quereinsteiger? Dann versieht Expertin Sabine Höppner-Plischke den Prompt im KI-Sprachassistenten mit der Anweisung „ELI10“. Das bedeutet: „Erkläre es so, als wäre ich zehn Jahre alt.“Das mache Inhalte einfacher, helfe gegen Fachsprache, passe Texte für andere Zielgruppen an und funktioniere schnell und sofort verständlich. Die Praxismanagerin spricht von einem selbst vorbereiteten KI-Assistenten mit eigenem Stil, eigenen Standards, hinterlegten Hinweisen und Datenschutzregeln. „Das ist wie ein kleines, persönliches Wiki.“
Programmierkenntnisse brauche es dafür nicht, zum Beispiel können Dokumente, Anleitungen oder Web-Links hochgeladen werden, die der GPT dann als exklusive Wissensbasis nutzt. Höppner-Plischke nutzt ihren CustomGPT zum Beispiel, um Patienten vor einer Therapieentscheidung Informationen und ungefähre Kosten knapp und übersichtlich auszudrucken.
„Der Text-Assistent reagiert, der KI-Agent arbeitet zielorientierter“. Statt einem einzelnen Auftrag erledige er ein ganzes Arbeitspaket, indem er selbst Schritte plant, Informationen recherchiert, sammelt, strukturiert und schließlich eigenständig ein fertiges Konzept oder Paket erstellt. „Du beschreibst nicht jeden Schritt. Du beschreibst das gewünschte Ergebnis“, konkretisiert die Expertin. Zum Beispiel nutzt sie dies, um Schulungen im Haus zu praxisrelevanten Neuerungen im Gesundheitswesen vorzubereiten. Während sie beim Sprachassistenten jeden Schritt einzeln anstoßen müsste, delegiert sie an den KI-Agenten das ganze Projekt.
„Gut gepromptet“ erhält die Praxismanagerin ein fertiges Infopaket für die Teilnehmer inklusive kurzem, verständlichen E-Mail-Anschreiben, Checklisten und etwa einem gesonderten Abrechnungshinweis. Auch wenn sich etwa der Dienstplan wegen Krankheitsausfällen ändert, plant Praxismanagerin Höppner-Plischke nicht mehr selbst zeitaufwändig um, sondern beauftragt ihren KI-Agenten. Dafür gebe es zwar Tools und Anbieter. „Warum alles kaufen, wenn ich mit den richtigen Prompts entsprechende Aufgaben an meinen KI-Agenten übergeben kann?“
Mit einem KI-Präsentationstool lässt sich aus einem Konzept ein ganzes Foliendeck erstellen, der „Power-Point-Kampf“ gehört damit der Vergangenheit an. Der digitale Helfer erkennt im Konzept Überschriften und Kernaussagen, bricht lange Texte herunter, ordnet Inhalte visuell an, schlägt Bilder, Icons oder Grafiken vor und erstellt eine erste Präsentation. Ob Inhalt, Ton und Bildsprache passen, Zentrales fehlt und alle Inhalte tatsächlich verwendet werden müssen, bleibt zu prüfen. „Das Tool macht den ersten Entwurf. Du machst daraus eine gute Präsentation.“
Und das ist nur eine Möglichkeit im Themenfeld der modernen Wissensweitergabe. Auch lässt die Praxismanagerin Informationen „mit ein paar Klicks“ gerne in einen Podcast, ein Video oder Mindmaps verwandeln: „So können wir unser Wissen mundgerecht weitergeben.“ Da unterhalten sich dann zum Beispiel zwei Avatare im Podcast fürs Praxisteam über einen Vortrag oder im Wartezimmer der Arztpraxis werden in einem Kurzfilm Präventionsmaßnahmen präsentiert. Auch lässt sich KI etwa nutzen, um interne Praxisabläufe zu dokumentieren und für neue Mitarbeitende leicht zugänglich aufzubereiten.
Mit auf den Weg gibt Sabine Höppner-Plischke Praxisteams abschließend: „Nicht die KI macht Dich stark. Deine Expertise macht die KI stark.“ Denn: Ohne Richtung werde das Ergebnis beliebig; ohne Fachlichkeit könne es falsch sein; ohne Prüfung werde Entlastung zum Risiko. „Bleiben Sie kritisch: KI-Systeme können Fehler machen. Kontrollieren Sie generierte Inhalte immer, bevor Sie diese an Patienten weitergeben.“ Und: Datenschutz stehe an erster Stelle: „Nutzen Si ausschließlich DSGVO-konforme KI-Tools und geben Sie keine personenbezogenen Daten ein.“
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