Neue EBM-Leistungen für Schlafapnoe-Therapie

Die Unterkieferprotrusionsschiene gilt bei obstruktiver Schlafapnoe als Zweitlinientherapie. Der Bewertungsausschuss hat nun die Vergütung für die Beauftragung und Koordination in der Zusammenarbeit mit Zahnärzten festgelegt.

Berlin. Zur Therapie bei obstruktiver Schlafapnoe hat der Bewertungsausschuss neue Leistungen eingeführt und die Indikationsstellung erweitert: Konkret geht es darum, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Vertragsärzte die Behandlung von schlafgestörten Patienten mit der Unterkieferprotrusionsschiene abrechnen können. Sie soll bekanntlich verhindern, dass bei betroffenen Patientinnen und Patienten die Zunge im Schlaf nach hinten rutscht und es zu Atemaussetzern kommt.

Mit der Anpassung des EBM-Abschnitts 30.9 reagiert der Bewertungsausschuss auf einen Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses, der im Februar in Kraft getreten war. Eine Behandlung mit der Unterkieferprotrusionsschiene ist laut Begründung des Bewertungsausschusses nur dann berechnungsfähig, wenn die Ärztinnen und Ärzte die behandlungsbedürftige obstruktive Schlafapnoe mittels Stufendiagnostik festgestellt haben und eine Überdrucktherapie keinen Erfolg gebracht hat. Die Schiene kann also nur als Zweitlinientherapie abgerechnet werden.

Voraussetzung ist eine Weiterbildung zum Schlafmediziner

Zum 1. Oktober in den EBM neu aufgenommen werden die Positionen (GOP) 30902 und 30905. In GOP 30902 geht es um den schriftlichen Auftrag an den Vertragszahnarzt zur Anfertigung und Anpassung der Schiene. Die GOP kann einmal im Krankheitsfall, also einmal in vier Quartalen, abgerechnet werden und ist mit 65 Punkten bewertet. Für die weitere Koordination mit dem Zahnarzt lässt sich GOP 30905 ansetzen. Sie ist ebenfalls mit 65 Punkten bewertet und kann zweimal im Krankheitsfall angerechnet werden.

Abrechnungsvoraussetzung für beide Leistungen ist eine Zusatzweiterbildung „Schlafmedizin“ oder die Qualifikation nach der Qualitätssicherungsvereinbarung zur Diagnostik und Therapie schlafbezogener Atmungsstörungen. Nur bei Beauftragung durch Vertragsärzte mit dieser Qualifikation dürfen Vertragszahnärzte zudem die Anfertigung der Protrusionsschiene auf Kassenkosten berechnen. Die Prüfzeit für die Koordinationsleistungen beläuft sich bei beiden GOP auf jeweils vier Minuten.

Neu ist auch, dass eine Kardiorespiratorische Polygrafie gemäß Stufe 3 laut Richtlinien des Gemeinsamen Bundesausschusses nach GOP 30900 nun auch zur Wirksamkeitskontrolle nach Ersteinpassung der Schiene oder zur Verlaufskontrolle der Therapie erbracht werden kann – bis zu viermal im Krankheitsfall. Auch die deutlich höher bewertete GOP 30902 (Kardiorespiratorische Polysomnografie gemäß Stufe 4 der GBA-Richtlinien ist in diesem Fall indiziert. 

Quelle: Ärzte Zeitung